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Die Stadtschule Schlüchtern feierte am 29. April 2005 ihr 75-jähriges Gründungsjubiläum. Vor genau einem Dreivierteljahrhundert erhielt die Volksschule Schlüchtern ihr eigenes Schulgebäude. Der Einzug in ihr eigenes, repräsentatives und zeitgemäß ausgestattetes Schulgebäude in der Lotichiusstraße war nicht nur ein organisatorischer Vorgang, eine Art "Umzug" von einem Gebäude in ein anderes. Es war viel mehr. Mit dem Einzug wurde sie "endlich Herr im eigenen Haus", schrieb der damalige Schulleiter, Rektor Georg Flemmig, in die Schulchronik. (Schulchronik II)
Die Volksschule Schlüchtern, seit Jahrhunderten nannte man sie nur "Stadtschule", ist natürlich viel Älter. Erste Erwähnungen finden wir in Urkunden um die Mitte des 16. Jahrhunderts. (1) Aber jetzt bekam sie zum erstenmal in ihrer langen Geschichte ein eigenes Gebäude, zum erstenmal die Möglichkeit, ihre Eigenständigkeit selbstbewusst zu betonen und ihr eigenes Profil als Stadtschule in Schlüchtern selbst und in der Region zu schärfen. Deshalb stellt ihr Einzug in das neue Schulgebäude einen tiefen qualitativen Einschnitt in ihrer Entwicklung dar, einen Einschnitt, der ein Ende und einen Neubeginn markiert. Dieser Neubeginn trägt das Datum 30. April 1930. Er ist der Tag des Einzugs in das neue eigene Schulhaus. Deshalb feiert heute die Schulgemeinde mit gutem Grund das 75-jährige Gründungsjubiläum ihrer Schule. (Schulchronik II)
Für das neue Schulgebäude gab es Lob von allen Seiten. Zum einen von Schulleitung und Kollegium, weil sie die Rolle eines "Untermieters" im Kloster endlich mit der Rolle des "Herrn im eigenen Haus" tauschen konnten, in einem eigenen, geräumigen, zweckmäßigen und architektonisch ansprechenden Haus am ruhigen Stadtrand und gleichwohl nah zur Innenstadt. Die Volksschule könne nun endlich "ungehemmt und unbeengt ihr Eigenleben entfalten", kommentierte die "Schlüchterner Zeitung". Zum anderen erhielt die Stadt mit dem Schulneubau, insbesondere mit der vom ersten Tag an von Vereinen, Gremien und Tourneetheatern als Veranstaltungsraum genutzten Turnhalle, ein weiteres kulturelles Forum. Und in wirtschaftlicher Hinsicht war die zeitgemäße Unterbringung der Volksschule nach der Einschätzung des Kommentators der "Schlüchterner Zeitung" "geradezu eine Lebensfrage" für die Stadt. ("Schlüchterner Zeitung" vom 29. 4. 1930)
Das neue Schulgebäude entsprach mit seinen Klassen- und Fachräumen sowie den übrigen Funktionsräumen mit einer unterrichtlich genutzten Gesamtfläche von rund 600 qm voll den Erfordernissen der Zeit und den Erwartungen der Schulgemeinde. Zum erstenmal im damaligen Landkreis verfügte eine Schule auch über eine eigens errichtete, mit 270 qm ausreichend gro�e Schulturnhalle mit einer Bühne von 38 qm. Nicht zu vergessen die gut 100 qm gro�e moderne Toilettenanlage.
Gebäude erzählen vom Geist ihrer Zeit. Ihr architektonisch �u�eres und ihre innere räumliche Gestaltung. So erzählt auch die neue Schlüchterner Schule vom Geist der Jahre, in denen sie geplant, gebaut und in Betrieb genommen wurde.



